Der Sensenmann, Bildungsstreik an der TU Ilmenau

Und plötzlich steht der Sensenmann im Hörsaal… Mit diesem Titel erreichte uns soeben der folgende Beitrag eines Studenten der TU Ilmenau zum Bildungsstreik 2009, denn seit Montag wird auch in Ilmenau gestreikt:

Dienstag Mittag, irgendwann gegen zwei, Marketing. Ein schwarz gewandeter Freak mit Sense läuft gemächlich auf das Podium, kein Wort, völlig stumm steht er da und verwirrt sowohl Dozentin als auch Studenten. Drei Studenten werden von einem Erzähler aufgerufen und während der Erklärung, warum ihr Studium denn sinnlos geworden sei, verlassen sie mit dem Schnitter das Audimax.

Und damit wird der Sinn der Aktion langsam klar, der Bildungstod ist da, der Bildungsstreik hat auch Ilmenau erreicht.  Streik? Mit Sensenmann statt Trillerpfeife? Durch das gute Verhältnis zwischen Rektor und Studierenden hielt man rabiate Maßnahmen nicht für notwendig, Protest mit Köpfchen statt Krach. Im Hörsaal des Humboldt-Gebäudes – dem Audimax – steht ein Zelt – natürlich bewohnt. Überall hängen Plakate, Banner und Absperrband und mittendrin Diskussionsecken, Infostände und hin und wieder sieht man eben das Bildungsschwein oder den Sensenmann durchs Bild geistern…

Doch warum sollte eine recht moderne Universität streiken? In Ilmenau heißt es doch, die Hörsääle seien nicht oft überfüllt und Studiengebühren gibt es auch nicht.  Kein Grund zur Klage? Fehlanzeige!
Gerade eine Technische Universität hat unter dem Diplom hervorragende Ergebnisse erzielt, umso schlimmer ist es, wenn auf ein neues Bildungssystem umgestellt wird, jedoch keiner darauf vorbereitet ist und die Lehrpläne und Anforderungen nicht eindeutig formuliert sind – seltsam, dass sich Europa jetzt Bachelor und Master schimpfen darf (weil es ja ein internationaler Standard ist), während in Amerika gerade das Diplom eingeführt wird…

Der Streik richtet sich nicht gegen die Uni, sondern gegen die Bildungspolitik – verkürzte Studienzeiten, zu knappe Budgets der Bildungseinrichtungen und ein fehlorganisiertes Bachelor/Mastersystem. Zudem wird Bildung immer teurer und soll für keinen vom Geld abhängig sein. Ein Beispiel hierfür ist, dass das Sprachenzentrum in Ilmenau plant, Gebühren für Sprachkurse zu erheben, die aber laut den Prüfungs- und Studienordnungen für jeden Studenten Pflicht sind, was bedeuten würde, dass jeder, der sein Studium erfolgreich beenden will Geld für einen Kurs ausgeben muss, der bisher kostenfrei zur Verfügung gestellt wurde – Lehrbücher und Skripte sind ja noch nicht teuer genug.

Laut einer Meldung des Studierendenrates der TU Ilmenau zeigen auch Dozenten und Mitarbeiter der Uni Verständnis für die Streiks, denn sie sind es, die im Prüfungszeitraum merken, wie sehr die Studenten unter Druck stehen… krampfhaft lernen, um die Klausur zu bestehen, lernen für die nächste und wenn der Prüfungszeitraum vorüber ist, hat man zwar auswendig gepaukt aber nichts verstanden. Aufgrund des Zeitmangels gibt es zudem für die Studenten ohne BaFöG Schwierigkeiten, sich finanziell über Wasser zu halten. Die Zahlen der Bewerber für Jobs als Hilfswissenschaftler sinkt rapide und auch in anderen Nebenjobs sieht es ähnlich aus.
Es gibt also reichlich Zündstoff für einen Streik und nicht jeder läuft so friedlich wie der in Ilmenau. Die Zeit wird zeigen, was die Studenten der Uni mit ihren kleinen Theaterstücken, Plakaten und Infoständen erreichen können – vielleicht ähnlich viel wie bei der Abschaffung des Verwaltungskostenbeitrages.(Ende des Beitrags)

Auf der Campusseite fanden wir auch einen Hinweis zum Bildungsstreik in Ilmenau. Jetzt heißt es also auch in Ilmenau #unibrennt, #bildungsstreik und #unsereuni.

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